Die ersten Töne geben die Timbrados bereits im Nest von sich. Nach ca. 4-5 Wochen beginnt bereits das erste Gesangsstudium bis zur Jugendmauserung. Diese ist von Mitte Juli bis Ende September. In dieser Phase ist für eine kurze Zeit, meistens 2-3 Wochen kein oder kaum Gesang zu hören. Spätestens Anfang Oktober sollten die Vögel dann ausgemausert sein.

Nun beginnt die nächste Phase des Gesangstudiums.

Das Nachfolgend beschriebene setzt bereits erfahrene Züchter voraus. Außerdem  wird es sehr wichtig, wenn der Züchter verschiedene Gesangslinien unserer Timbrados besitzt und wenn  Kreuzungen verschiedener Gesangslinien, bzw. Gesangstypen getätigt werden. Hierzu sind auch genetische Kenntnisse nötig.

Die meisten Züchter beginnen erst mit der Selektion ihrer Vögel, nachdem sie diese eingebauert haben. Dies kann aber über einen späteren Erfolg oder Misserfolg entscheiden.

Die Arbeit mit den Vögeln beginnt bereits in der Voliere, wenn die Aufzuchtzeit beendet ist.

Bei der Weiterverfolgung der Jungvögel muss man Details des Timbradogesang sehr gut kennen. Andererseits kann es zu übereilten und irrtümlichen Schlussfolgerungen führen, die alle Mühe der Aufzucht zunichte machen. Es reicht nicht aus, nur den negativen Gesang, die Defekte, wie schrille Töne, die die Natürlichkeit und den Rhythmus der Melodien unterbrechen, zu erkennen. Darüber hinaus müssen wir die Veranlagungen erkennen, die später den vollendeten und definierten Gesang des erwachsenen Vogels ausmachen. Auch müssen wir erkennen, ggf. erahnen, ob Gesang mit kontinuierlichem Rhythmus (z.B.timbres) oder nicht kontinuierlichem Rhythmus überwiegen wird. Die Stimme, die Aussprache und der Ton muss erkannt werden. Fehler im Gesang, die fast noch nicht oder erst schwach zu hören sind, weil sie noch nicht schrill sind, müssen gefunden werden, da sie den kompletten Bestand einer Voliere im Gesang zerstören können, wenn nicht rechtzeitig die fehlerhaften Sänger bemerkt werden.

In diesen weiteren Ausführungen gehe ich von anderen als bisher üblichen Wegen in der Zucht aus, um die Vielfältigkeit des Timbradogesanges weiter zu fördern.

Bei dieser Zuchtvariante wurden die jungen Hähne von ihren Müttern alleine großgezogen und haben in der Regel ihre Väter nicht gehört.

Sollten sich jedoch Althähne im Zuchtraum befinden, so werden die Jungvögel von dem Vogel lernen, der sich am lautesten im Zuchtraum während seiner „Hochzeitsparade“ präsentiert. Wir könnten dann feststellen wie die jungen Vögel den Gesang des feurigsten Erzeugers nachahmen würden. Sie würden zwar das Erlernte während des Stimmbruchs in der Jungtiermauserung normalerweise wieder verlernen, aber es könnte auch zu einer Verspätung in der Gesangsentwicklung des Jungvogels führen.

Wenn die Jungen von den Eltern abgesetzt werden müssen die Volieren oder Flugkäfige vorbereitet sein. Diese müssen gewisse Charakteristiken erfüllen.

Voraussetzungen einer guten Voliere oder Flugkäfig:

Wichtige Voraussetzung ist eine gute Belüftung, falls es keine Außenvoliere ist. Das Licht muss während des Tages konstant eindringen und sollte mit fortschreitendem Alter der Junghähne nicht zu intensiv sein. Ideal ist es die Junghähne nach der Mauserung in einem halbdunklen Raum zu halten. Dieses Licht wird ausreichen, damit die Vögel fressen und den Gesang üben können, ohne unnötig abgelenkt zu sein. Weiterhin muss man auch auf die Raumtemperaturen achten, zu große Schwankungen könnten zu Erkrankungen der Atemwege führen und sich dann negativ auf den Gesang auswirken.

Es sollte ein „ruhiger“ Raum sein, in den keine sehr starken Fremdgeräusche eindringen. Vor allem sollten die Gesänge anderer Vögel nicht gehört werden. Es ist vorteilhaft im Raum ein Radio anzustellen, das von Sonnenaufgang an eingeschaltet ist. Das Radio sollte am besten klassische Musik spielen. Es verhindert, dass die Jungvögel externe Töne hören und ermöglicht somit, dass die Junghähne jeder Voliere ihren eigenen Gesang entwickeln, ohne den Gesang aus anderen Volieren zu kopieren.

Als weiteres müssten so viele Volieren oder Flugkäfige vorhanden sein, wie wir Gesangslinien und Gesangslinien-Kreuzungen gemacht haben. Wichtig dabei ist wie die Junghähne verteilt werden, indem die Geschwister zusammengehalten werden. Die Hähne aus jeder Verpaarung werden auf eine unterschiedliche Art singen. Wenn alle Hähne in die gleiche Voliere kämen, würden sie dem ersten, der zu singen beginnt, nachahmen, oder sie würden so viele unterschiedliche Lieder entwickeln, dass beim Kopieren der Gesänge undefinierte Melodien entstehen werden. Das Normalste ist, dass alle Vögel gleich singen, wenn sie den fortgeschrittensten von ihnen kopieren, sei es gut oder sei es schlecht. Trotzdem kann es sich jedoch auch ergeben, dass einige Vögel – unabhängig von dem Gesang der Kameraden in der Voliere – ihren eigenen Gesang entwickeln.

Wenn wir eine kleine Anzahl Junghähne haben, für die es sich nicht lohnt eine eigene Voliere einzurichten, können wir sie zusammen mit anderen Geschwistern oder evtl. Halbgeschwister, die in der Gesangslinie ähnlich sind, zusammensetzen.

Nachdem wir die idealen räumlichen Voraussetzungen geschaffen haben müssen wir noch ein anderes Element, das mindestens ebenso wichtig ist, beachten. Es handelt sich um die Ernährung der Jungvögel. Bei der Ernährung muss man Vorsicht walten lassen, da die verschiedenen Mischungen, die normalerweise allgemein bei Kanarienvögeln gebraucht werden wegen ihrer Zusammensetzung sich auf die Entwicklung des Gesangs auswirken, d.h. sich ggf. negativ auswirken. Dies ist nicht im Interesse des Züchters. Die Nahrung besteht hauptsächlich aus zwei wichtigen Sorten Samen. Das ist die Kanariensaat als Grundbestandteil der Nahrung und der Rübsen. Der Rübsen hat einen positiven Einfluss auf den Gesang, indem er den Gesang besänftigt und dämpft.

Es hat sich hier eine bestimmte Mischung verschiedener Saaten als „Timbradomischung“ bewährt. Zusätzlich kann man auch Äpfel, Apfelsinen sowie andere Früchte, Löwenzahn, Brokoli, Chikoree, etc. füttern.

Die Volieren oder Flugkäfige sowie die Ess- und Trinkbehälter sind sauber zu halten, das Wasser muss täglich erneuert werden.  Diese, wie ich glaube wohl unnötige Bemerkung, mache ich deshalb, weil durch Vernachlässigung das Auftreten von Infektionen erfolgen kann, das dann selbstverständlich wieder den Gesang beeinflussen könnte. Eine letzte Warnung in dieser Hinsicht ist, darauf zu achten, dass die Futtermischung nicht verunreinigt oder verstaubt ist. Der Staub dringt in die Atemwege der Vögel ein und kann sogar zu Atembeschwerden führen.

Wenn die jungen Vögel sich an das Körnerfutter gewöhnt haben, das Aufzuchtfutter (Eifutter) vernachlässigen und die Jungmauserung soweit beendet ist, beginnt das schüchterne Stottern, mit dem sie ja bereits in den ersten vier Wochen begonnen hatten. Es gewinnt jetzt mehr an Deutlichkeit und die jungen Männchen beginnen zu rivalisieren. Das Üben der Junghähne gewinnt an Stärke.

Häufig wird angenommen, dass gewisse Variationen, die in den Anfangsgesängen der Junghähne auftreten, schon endgültig sind. Der Timbrado muss jedoch mindestens 6 Monate alt sein und die genügende Reife erreicht haben, um einige Töne und Liedteile zu bereinigen, zu vervollständigen und uns zu zeigen, wie seine Stimme wirklich ist. Genauso wie beim Menschen, wechselt der Kanarienvogel seine Stimme, was mit der sexuellen Entwicklung im Zusammenhang steht bis hin zum Triebgesang. Die Jungvögel geben Laute von sich, die von Instinkten geprägt sind, im Laufe der folgenden Monate werden diese Laute immer klarer. Zwei Kanarienvögel können Übungen in den gleichen Tönen singen, mit gleichen Melodien, aber sie werden nie exakt die gleiche Stimme haben. Instinktiv nimmt der Timbrado den geerbten Gesang seiner Vorfahren als Bezug an. Dieses bedeutet nicht, dass der Vogel genauso singen wird wie seine Vorfahren, da der endgültige Gesang immer das Ergebnis verschiedener Faktoren sein wird.