Erste  Voraussetzung ist wie bereits in vorigen Artikeln erwähnt die Feststellung und Aussortierung der Vögel mit fehlerhaftem Gesang.

Diese fehlerhaften Sänger müssen also so früh wie möglich von den anderen Vögeln entfernt werden, damit diese nicht die negativen Töne oder Liedteile kopieren und übernehmen.

Da unser Timbrado einen genetischen Reichtum besitzt, ist das Einsetzen eines Lehrers  (Tutors) für die Erziehung der Kanarienvögel im Regelfall nicht nötig. Für mich ist es wichtig, die angeborenen Fähigkeiten zu erkennen und zu fördern. Trotzdem kann der Einsatz eines Lehrers in manchen Fällen sinnvoll ist. Dann kann ein Tutor die Gesangserziehung der Vögel übernehmen, die von sich aus nicht genügende Fähigkeiten haben, um ein Mindestrepertoire das dem  Timbrado abverlangt wird zu erbringen. Weiterhin es ist möglich auf diese Weise vorhandenes Repertoire durch einen Vorsänger besonderer Qualität noch zu erweitern.

Der Vogel, der als Lehrer eingesetzt wird, muss eine hohe Gesangsqualität besitzen und frei von jeglichen Fehlern sein. Es muss sich um einen Vogel handeln, dessen Stimmqualität (Ton, Intensität und Klang) und dessen musikalische Qualität (Rhythmus, Harmonie und Melodie) perfekt sind, mit einem umfangreichen und vielseitigen Repertoire, jedoch Qualität ist wichtiger als Quantität. Ein Vogel, der weniger Touren singt aber diese qualitativ besser ist z.B. sehr gut als Vorsänger geeignet bei Timbrados, die bereits ein umfangreiches Lied besitzen, jedoch durch gerade diese Touren des Vorsängers noch erweitert oder in der Qualität der Aussprache verbessert werden können. Die  Begabung des Kanarienvogels, gehörtes aufzunehmen und zu übernehmen wollen wir uns damit zu Nutze machen. Es ist wichtig, dass der Vorsänger eine ganz deutliche Aussprache hat, damit die Schüler keine falsche Lektion annehmen und damit deren Gesang rein wird. Der Vorsänger sollte der gleichen Familie oder Gesangslinie der Junghähne angehören. Ansonsten muss er wenigstens kompatible Charakteristiken aufweisen.

Eine Schwierigkeit, die bei diesem System auftritt, ist die Erhaltung des Gesangs bei erwachsenen Hähnen, da ja in der Regel während der Brunftzeit und Aufzuchtszeit der Gesang an Qualität verliert, manchmal sogar in erheblicher Form. Zweifellos wäre der ideale Lehrer der Kanarienvogel, den man nie paaren würde. Andererseits würde er dann nicht als Erzeuger guter Exemplare zur Verfügung stehen, wobei wir ihn in der Regel sicherlich  zur genetischen Verbesserung auch benötigen. Verstärkt erfolgt mittlerweile auch der Gebrauch elektronischer Mittel für die Ausbildung der Jungvögel. Jedoch sollte man  berücksichtigen, dass dabei etwas an Klangqualität und Musikalität verloren gehen kann.

Um die Gesangserziehung der hierfür in Frage kommenden Junghähne zu realisieren, bringen wir einen dunklen Vorhang vor die Vögel oder platzieren die Vögel in einem abgedunkelten Raum. Es muss in jedem Fall eine genügende Belüftung gewährleistet sein. Sinngemäß kann eine „Einbauerung“ und Gesangstraining wie bei den Harzern oder Wasserschlägern erfolgen und braucht daher hier nicht nochmals detailliert beschrieben zu werden. (siehe hierzu das „Gesangsbuch“, zu beziehen über die Preisrichtergruppe Gesang im DKB). Das Ziel die Vögel abgedunkelt zu halten, ist deren Lust zum Singen zu hemmen, damit sie auf den Gesang des Vorsängers aufpassen und seinen Gesang richtig aufnehmen und auch, um ihren eigenen Gesang in Ruhe aufzubauen. Den Vorsänger kann man etwas heller vor die Schüler stellen. Das einzig wichtige dabei ist, dass der Gesang korrekt zu den Jungvögeln gelangt.

Meine Timbrados werden nur leicht und nicht mehr so stark abgedunkelt, wie ich dies vor Jahren mit meinen Harzern praktiziert habe.

Zur Gesangsstimulation benutze ich gelegentlich ein Radio oder CD mit Klassikmusik. Meine jungen Hähne sollen ihr eigenes, genetisch veranlagtes  Lied aufbauen, sodass ich die unterschiedlichen Gesangsvarianten und Qualitäten die in der Genetik der einzelnen Verpaarungen oder Familien verankert sind besser beurteilen kann.

Es gibt jedoch Vögel, die einen extrem armen und abgeschnittenen, unvollständigen Gesang entwickeln. Dies sind entweder fehlende ererbte  Fähigkeiten des Vogels, also genetisch bedingt oder  externe Faktoren, wie eine verkehrte Haltung der Vögel, z.B. die Hähne zu dunkel zu halten bevor sie den Gesang vervollständigt haben.

Wir dürfen jedoch Vögel mit fehlenden Touren nicht mit denjenigen verwechseln, die kurz vor der Vervollständigung ihrer Gesangsentwicklung stehen und diese noch vollenden werden, ansonsten ist hier jetzt das Einsetzen eines Vorsängers angebracht. Die Vögel sollten hierbei in keinem Fall  in absoluter Dunkelheit sein. Man darf nur etwas Licht wegnehmen, damit die Unterdrückung des Gesangs nicht zu stark ist. Das Ziel besteht darin, dass die Jungvögel die Melodien des Tutors übernehmen, aber ohne den eigenen Gesang zu verlieren. Deshalb muss die Struktur des Gesangs des Vorsängers ähnlich dem Gesang der Schüler sein. Es handelt sich hierbei um eine Bereicherung und Erweiterung des Repertoires und nicht um eine Ersetzung. Hierbei setzen wir auf die Veranlagung des Kanarienvogels, gehörtes zu übernehmen und zu imitieren. Dies ist ja die dominierende Eigenschaft bei den Wasserschlägern.

Auf diese Weise verbessern wir unsere Chancen bei den Meisterschaften. Die Gesangserziehung durch einen Tutor steht jedoch im Gegensatz  zu der Genetik-Verbesserung die wir mit unseren Gesangsvögel erreichen wollen.

Einer der schönsten Momente in der sportlichen Vorbereitung unserer Timbrados ist ohne Zweifel die Zusammenstellung unserer „Gesangsmannschaft“. Die Gesangs-Stämme sind Gruppen von vier Hähnen ähnlichen Gesangs. Die Fähigkeit, eine gute Mannschaft zusammenzusetzen  hängt zu einem großen Teil an der musikalischen Sensibilität, die wir selber haben. Unabhängig von Systemen und Regeln werden wir unserem eigenen Gehör folgen müssen. Als Grundsatz gilt: Vögel mit Gesang, der unserem Ohr wehtut sollte man aussortieren.

Die Stämme werden aus den Gruppen, die wir bereits nach Familien sortiert  untergebracht haben gebildet. In der Regel besitzen die Vögel einer Familie das gleiche Repertoire. Jedoch in einigen Fällen auch nicht. Oft existieren keine vier Vögel mit gleichem Gesang.. Dies resultiert aus Paarungen und Familien, die keine vier Hähne als Nachkommen haben.

Es gibt auch Timbrados, die eine oder mehrere Varianten an Melodien besitzen, die besonders herausragen  und auch neue Liedteile präsentieren.

Es gibt Züchtern, die durch ihre musikalische Sensibilität nach komplexeren oder neuen Gesangsteilen und Gesangskombinationen als in den bisherigen traditionellen Stämmen suchen.

Es gibt Timbrados, die durch ihre Gesangs-Charakteristiken sich nicht in eine Mannschaft integrieren können. Zwar haben sie individuelle Qualität – aber wenn alle vier Vögel singen, existiert nicht die notwendige Harmonie. Dies hat zur Folge, dass auch die individuelle Qualität der einzelnen Vögel darunter leiden kann und somit die Einzelbewertung sich verschlechtern wird. Außerdem wirkt sich dies auf die Zusatzpunkte für Stammesharmonie negativ aus.

Daher haben wir ja auch die Abteilung „Einzelvögel“ bei unseren Meisterschaften.

Es ist auch besser einen Hahn bei jedem Stamm in Reserve zu haben, falls einer erkrankt oder stirbt. Dies wird natürlich von der Anzahl der Hähne abhängen, die kompatibel miteinander sind. Man sollte also nach Möglichkeit immer fünf Hähne zusammen trainieren, um austauschen oder ersetzen zu können. Ein interessanter Aspekt ist auch die Platzierung innerhalb des Stammes. Man stellt sie vertikal übereinander, wobei der oberste Käfig mit der kleineren  Zahl gekennzeichnet wird. Diese Platzierung gilt für die Harzer-Roller und die Timbrados. Die Platzierung der Wasserschläger ist anders (2+2).

Es gibt unendlich viele Theorien über die Platzierung der Sänger, wobei alle Züchter das gleiche Ziel verfolgen, dass der Stamm  einen gleichmäßigen Klang  und  möglichst vollkommene Harmonie der Liedteile erreicht. Die musikalische Sensibilität des Züchters hat hier selbstverständlich ihre Auswirkungen. Die Platzierung wird während des Abhörens der Vögel realisiert  und die Positionen der Vögel werden dementsprechend korrigiert. Die meisten Züchter stellen den Hahn mit dem lautesten Gesang an unterster Stelle, das ist dann der Tischvogel. Er dominiert und würde an anderer Position die Harmonie der Gruppe stören.

Im Extremfall würden die anderen Vögel des Stammes gar nicht singen.

Der Züchter kann durch verschiedene Anordnungen der Positionen herausfinden, bei welcher Anordnung der eine oder andere Vogel bereitwilliger singt und am besten platziert ist.

Es gibt  Züchter, die mit ihren besten Junghähnen trotz unterschiedlichem Gesang einen Stamm  zu bilden, auch wenn dies keine optimale Harmonie ergibt. Die meisten spanischen Timbrado-Züchter und auch ich persönlich bevorzugen es jedoch diese Hähne in der  Gruppe der Einzelvögel, der „Individuales“ zu präsentieren.  Normalerweise sind die Timbrados, die als „Individuales“ präsentiert werden, die besten aus dem Zuchtjahr, die sich durch Ihren Gesang besonders hervorheben, sei es durch besondere Klarheit im Gesang, große Vielseitigkeit oder sogar durch neue Liedteile und Melodien.

Bei der Bewertung der Einzelvögel sollen auch max. bis zu drei Vögel zusammen bewertet werden, jedoch sollen diese auch alle aus einer Gesangslinie sein, ansonsten sollen diese wirklich einzeln bewertet werden. Dies habe ich auch so bei der Spanischen Meisterschaft im Dezember 2010 in Mieres/ Nordspanien erlebt. Hier wurden Einzelvögel immer nur von einem Züchter zusammen bewertet, mal ein Vogel, manchmal 2 Vögel, nur einige male 3 Vögel. Züchter, die verschiedene Gesangstypen bei den Einzelvögel hatten, hatten dies bei der Meldung vermerkt. Die Vögel wurden dann getrennt, einzeln bewertet.

Hier liegt ein besonderer Reiz. Die Schönheit des Timbradogesangs erfährt immer wieder neues. Aus diesem Grunde wurde die Gruppe der„Individuales“, der Einzelvögel geschaffen, um den Timbradogesang weiter zu kultivieren und nicht wie viele glauben, um die restlichen Vögel noch zur Bewertung zu bringen, wenn es für vier Vögel um einen Stamm zu bilden nicht mehr reicht. (Dafür gibt es eine andere Möglichkeit, da wussten sich schon die Harzer-Züchter  zu helfen, indem sie einfach eine Henne als vierten Vogel dazusetzten.)

Das Training zur Prämierung der Timbrados muss erfolgen, wie schon vorher erwähnt, wenn diese ihren Gesang vollendet haben oder kurz davor stehen. Eine Vielzahl von Züchtern glaubt, dass die Basis des Trainings darin besteht, die Vögel mittels eines Vorhangs dunkel zu stellen. Dieser wird an den Käfigen, Regalen oder Einsatzbauern mit adäquatem Abstand festgemacht, so dass die Belüftung gewährleistet ist. Der Gebrauch eines Vorhangs ist eine Praxis, die jedoch beim Timbrado mit viel Vorsicht ausgeübt werden muss.

Wenn wir die Vögel frühzeitig mit dem Vorhang abdecken, also bevor die Gesangsentwicklung abgeschlossen ist, erreichen wir nur einen Rückfall im Gesang. Die Vögel verringern dann ihr Repertoire. die Intensität des Gesangs verarmt. Einer der größten Fehler ist es, seine Timbrados zu früh oder zu stark abzudunkeln.

Es reicht in der Regel vollkommen aus, wenn sie in einem abgedunkeltem Raum untergebracht sind. Es ist natürlich hierbei auch von Bedeutung, wie die Junghähne nach der Jugendmauserung untergebracht waren.

Durch die schrittweise Entwicklung des Gesangs ist es an und für sich nicht nötig, die Vögel mit Vorhängen stark abzudunkeln wie dies meistens bei Harzer-Roller praktiziert wird, es sei denn sie beenden die Evolution des Gesangs viel früher als der Wettbewerbstermin. Der Vorhang kann als ein Instrument für die Erhaltung des fertigen Gesangs dienen, um den Gesang auf seinem Höhepunkt solange wie möglich zu erhalten und solange man an Wettbewerben teilnehmen will.

Wenn man die Hähne zum Anhören herausholt, werden sie durch die Helligkeit und eine etwas höhere Zimmertemperatur wie im Raum der Unterbringung motiviert zu singen.  Die Temperatur im Aufbewahrungsraum sollte nicht höher wie 16 Grad betragen.

Wir benötigen einen Raum mit guter Akustik.

Dieser Raum hat einen großen Einfluss auf die Qualität des Timbradogesang und seiner Beurteilung. Bei Bewertungen wird sehr auf den Raum, in dem die Vögel singen werden  geachtet.  Elektrisches Licht, sowie es auch bei Wettbewerben ist, sollten wir beim Training dem Sonnenlicht bevorzugen. Durch Sonnenlicht können die Vögel unruhig werden. Die Gesangskäfige,

auch Einsatzbauer genannt,  werden – von vorne gesehen – links mit dem Wassernapf und rechts mit dem Futternapf bestückt. Diese stellt man auf einen Tisch, einen über den anderen, Längsseite nach vorne und die Näpfe nach rechts. Über den obersten Käfig legen wir ein dünnes Brett oder Pappe, damit die Konzentration des obersten Vogel gewährleistet ist. Der Tisch mit den Vögeln sollte in möglichst geringem Abstand zum Züchter stehen. Von Vorteil ist es auch, wenn die Vögel sich an verschiedene Personen gewöhnen oder wenn bei dem Gesangstraining sporadisch Personen hinzukommen.

Am Anfang des Trainings sind die Vögel immer sehr unruhig. Sie springen von einer Stange zur anderen und geben nur Ruflaute von sich. Wenn diese Phase  vorbei ist, werden die Vögel mit ihrem Gesangsvortrag beginnen.

Bei den ersten Versuchen werden die Hähne meistens noch nicht singen. Dies ist ganz normal. Es gibt einige Vögel, die brauchen länger als andere um in unserer Gegenwart zu singen.

Jeden Tag sollten dann die Vögel auf den Tisch zum Singen gestellt werden. Wenn keiner der Vögel nach zehn Minuten mit dem Singen begonnen hat, sollte man sie wieder wegstellen. Dies muss man dann öfters wiederholen. Die Tageszeit und Dauer soll von Fall zu Fall abweichen. Wenn die Vögel ruhig sind ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass sie singen werden. Wenn sie allerdings von einem Stab zum anderen nervös umspringen und piepen oder sie flattern mit den Flügeln, dann werden sie nicht singen oder aber sehr schnell und abgehackt singen. Welche  Tageszeit am besten ist  die Vögel rauszuholen, wird eher von unserer Zeit abhängen. Die ideale Zeit ist zwischen 9.00 Uhr morgens und 18.00 Uhr abends. Das ist die Prämierungszeit, die Dauer der Bewertung beträgt in Deutschland 30 Minuten, in Spanien und bei der Weltschau 20 Minuten inklusive der Schreibarbeit  des Preisrichter.

Wir müssen die Vögel daran gewöhnen, möglichst zu jeder Zeit und an jedem Ort zu singen.